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Osterbrief 2018

Nr. 7 vom 1. April 2018

Liebe Gläubige,

die Kirche durchschreitet, wie wir alle aus schmerzlicher Erfahrung wissen, heute eine lange und schwere Passion, wie sie eine solche kaum jemals gesehen hat. Diese gleicht der 70-jährigen babylonischen Gefangenschaft des jüdischen Volkes im Alten Testament, wo der Ruf der Verbannten so erschallte: An den Flüssen Babylons saßen wir und weinten, da wir Sions gedachten (Psalm 136,1). So seufzt und weint die christliche Seele ob der erloschenen Pracht der Gottesdienste des neuen Sion, der früheren Reinheit seiner Lehre, der Geschlossenheit seines Klerus, der Heiligkeit der Ordensleute, der Frömmigkeit in den christlichen Familien, der frischen Bekenntnisfreudigkeit der Jugend…

Ganz ähnlich war wohl die Stimmung bei den Jüngern Jesu und den frommen Frauen nach dem Kreuzestod des geliebten Meisters: Trauer, Schmerz, Öde und gar Hoffnungslosigkeit. Sie stimmten in die Klage der Mutter des Gekreuzigten ein: O, ihr alle, die ihr vorübergeht am Wege, habet acht und schauet, ob ein Schmerz gleich sei meinem Schmerze. Maria allein verstand indes im Glauben die Ankündigung der Auferstehung. Sie bewahrte inmitten allen Leides und Schmerzes die große Tugend der christlichen Hoffnung. Wir wollen sie darin heute nachahmen: Nach der Passion der Kirche wird irgendwann der Morgen der Auferstehung anbrechen, denn die Kirche ist der geheimnisvolle Herrenleib; folglich vollzieht sich in ihr und an ihr, in ihren Gliedern Passion und Auferstehung, wie wir sie am Haupte selber schauen. Ja, diese Auferstehung ist schon im Gang: Unsere 200 Seminaristen in den sechs Seminaren, die ungefähr 100 Schulen, wo zusammen mit den Schulen der Dominikanerinnen täglich an die 10000 Kinder unterrichtet, vor vielem Bösen bewahrt und auf ein christliches Leben vorbereitet werden, Exerzitienhäuser, Priorate und die über 700 Gottesdienststätten, wo die Glut der überlieferten hl. Messe gehütet wird – sind sie nicht Anbruch eines neuen Tages? Ist nicht das Priesterseminar Herz Jesu ein Ort der geistigen Auferstehung, wo Christus als Hoherpriester in den Seelen der jungen Kandidaten im Laufe ihrer Ausbildung Gestalt annimmt, damit sie selbst nach ihrer Priesterweihe oder der Ablegung ihrer Ordensgelübde als Werkzeuge der Auferstehung der Seelen wirken können? „Selig die Augen, die sehen, was ihr seht, und die Ohren, die hören, was ihr hört“, sagt der Herr zu seinen Jüngern. Gilt dies nicht auch für die um das Seminar gescharten Gläubigen? Ist nicht Ihr Herz von österlicher Freude erfüllt, wenn Sie Jahr für Jahr die verschiedenen Weihestufen miterleben dürfen, das Wachsen und Reifen, aber auch das Ringen und Kämpfen um jede Berufung? Gewiss sind wir nicht die Kirche, aber wir sind ein Teil der Kirche, und ohne Überheblichkeit dürfen wir behaupten, der pars sanior, der gesündere Teil zu sein. Das Priesterseminar Herz Jesu ist Ihre geistige Heimat, hier sind Sie zu Hause, hier sind Sie geborgen, hier thront der auferstandene siegreiche König.

Diese Nähe zum Ostermorgen legt Ihnen, liebe Gläubige, aber auch eine schwere Verantwortung und eine große Pflicht auf, nämlich treu unter dem Kreuz auszuharren, Ihre täglichen Arbeiten und Mühsale, Ihre Opfer und Gebete in das Erlösungswerk einzubringen, den Glauben zu bewahren, die Hoffnung nicht in Resignation und Gleichgültigkeit untergehen zu lassen, die Gottes- und die Nächstenliebe nach Kräften zu pflegen. Wir halten nichts von einem bürgerlichen Gewohnheits-Christentum. Wir wollen alle österliche Menschen sein und möglichst viele Mitmenschen an unserer österlichen Freude teilhaben lassen. Teilen Sie die Faltblätter „Gibt es eine wahre Religion?“, „Ist Jesus Christus der Sohn Gottes?“, „Die Kirche“, wie auch die Wundertätige Medaille unter Bekannten, Verwandten, Freunden und Arbeitskollegen aus. Immer wieder spricht Rom und sprechen die Bischöfe von einer Neuevangelisierung, aber es geschieht so gut wie nichts, oft sogar das Gegenteil. Legen darum umso mehr Sie Hand an bei der Rechristianisierung, die immer in der eigenen Seele beginnt. Gott will sich Ihrer als Werkzeug für die Wunder seiner Gnade bedienen. Jene unter Ihnen, die in der Nähe des Seminars wohnen, laden wir ein, öfter während des Tages zur Audienz beim eucharistischen Heiland zu kommen und seinen Segen über unser Haus und seine Bewohner herabzurufen. Oder geht man am Haus eines engen Freundes vorüber, ohne ihn kurz zu grüßen? Und der auferstandene Herr wohnt wirklich im Tabernakel und wartet auf Ihren Besuch.

Freu dich, du Himmelskönigin, alleluja.

Den du zu tragen würdig warst, alleluja,

er ist auferstanden, wie er gesagt hat, alleluja.

Bitt Gott für uns, alleluja.

Zaitzkofen, Ostern 2018

P. Franz Schmidberger

Regens