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Wochenbrief Nr. 16 / 2017 vom 29. Oktober 2017

Liebe Gläubige,


Das dritte Geheimnis von Fatima

Den Hirtenkindern wurde in Fatima von der Muttergottes ein Geheimnis geoffenbart, das von Anfang an großes Interesse auf sich zog. Gefängnis und selbst die ernste Drohung, lebendig im siedenden Öl gebraten zu werden, nützten dem Bezirksvorsteher von Ourem, Arturo de Oliveira Santos, nichts, um an das Geheimnis zu kommen. Die Kinder waren bereit, lieber zu sterben, als auch nur ein Wort davon preiszugeben. Erst viel später begann Schwester Lucia über das Geheimnis nach dem Willen der Gottesmutter zu schreiben. So schrieb sie am 31.8.1941 an den Bischof von Leiria- Fatima: „Das Geheimnis besteht aus drei verschiedenen Teilen, von denen ich zwei jetzt offenbaren will. Der erste Teil war die Vision der Hölle…“

Ein Geheimnis, drei Teile

Obwohl es sich genau genommen um 3 Teile eines Geheimnisses handelt, spricht man im Allgemeinen von den 3 Geheimnissen von Fatima. Während das erste Geheimnis in der Höllenvision auf die besondere Gefahr für das persönliche Heil des Einzelnen aufmerksam macht und die Andacht zum Unbefleckten Herzen Mariens als Mittel zur Rettung angibt, geht es im zweiten Geheimnis um die Gefahr für das öffentliche Leben und die Staaten. Der zweite Weltkrieg wird vorausgesagt, und es wird auf die Gefahr hingewiesen, die der Welt durch die Irrtümer Russlands drohen.  Es bleibt hier aber nicht bei Unheilsvoraussagen, sondern die Muttergottes bietet ein Gegenmittel an. „Um das zu verhüten, werde ich kommen, um die Weihe Russlands an mein unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen des Monats zu verlangen.“

Leider erfolgte bis heute keine ausdrückliche öffentliche Weihe Russlands an das Unbefleckte Herz Mariens, wie es Unsere Liebe Frau von Fatima wünschte und auch eine Weihe der Welt geschah sehr spät.

Die große Enttäuschung - ein kleiner Hinweis bleibt

Das dritte Geheimnis konnte Sr. Lucia erst im Jahr 1944 niederschreiben und es sollte 1960 veröffentlicht werden. Begreiflicher Weise war die Neugierde und Erwartung recht groß, umso größer die Enttäuschung, als vom Vatikan die Weigerung kam, dieses Geheimnis überhaupt jemals zu veröffentlichen.

Obwohl der Inhalt des Geheimnisses unter Verschluss gehalten wurde, gab es einen kleinen Hinweis. Sr. Lucia fügte nämlich bei ihren vierten Erinnerungen, die eigentlich nur das erste und zweite Geheimnis betreffen sollten, einen Satz hinzu: „In Portugal wird man stets das Dogma des Glaubens bewahren, usw.…“ Nachdem es zwischen dem ersten und zweiten Teil des Geheimnisses auch einen fließenden Übergang gibt, nahmen viele an, dass sich der Satz schon auf den dritten Teil des Geheimnisses beziehen müsste. Schließlich geht es plötzlich um eine Gefahr für den katholischen Glauben ganzer Länder. Was liegt näher, als anzunehmen, die Muttergottes möchte im dritten Teil vor einer Gefahr warnen, welche den katholischen Glauben der gesamten Kirche betrifft. Analog zu den anderen beiden Teilen des Geheimnisses könnte man hoffen, auch ein Rettungsmittel angeboten zu bekommen, die der Gefahr für den Glauben entgegenwirken würde. Furchtbare Folgen wären nur dann zu erwarten, wenn man auf die Bitten der Muttergottes auch hier nicht hören will.

Maßnahme gegen den „antiökumenischen Traditionalismus“, die sich verrät

Das Ausbleiben der Veröffentlichung im Jahre 1960, an dem die Vorbereitungsarbeiten für das Zweite Vatikanische Konzil begannen, erwies sich nur als Wasser auf die Mühlen der „Traditionalisten“. Was, wenn die Zerstörung des Glaubens wirklich von den kirchlichen Obrigkeiten selbst ausgeht? Dann wäre es ganz verständlich, dass Gewisse alles daran setzen müssten, eine entsprechende Warnung der Gottesmutter nicht zu veröffentlichen. Am 26. Juni 2000 erfolgte aus diesem Grund eine Veröffentlichung des dritten Geheimnisses, damit „Fatima nicht ein Pfand dieser unterminierenden Position (des antiökumenischen Traditionalismus) bleiben kann.“ (So der Vatikansprecher Navarro-Valls)

Wenn man diese Veröffentlichung liest, stellt sich die Frage, warum man diesen Inhalt nicht schon 1960 preisgeben konnte. Wo bleibt der Anschluss an die Worte Lucias über Portugal? Warum durfte Sr. Lucia bei der Pressekonferenz nicht zugegen sein? Warum durfte sie nicht einmal im Fernsehen zusehen? Warum blieb sie auch nach dieser Veröffentlichung noch in strenger Quarantäne? Warum antwortete sie in einem Interview auf die Frage, ob das dritte Geheimnis mit dem zweiten Vatikanischen Konzil zu tun hätte mit: „Ich kann nicht antworten“? Warum kommt ein Journalist, der beweisen möchte, dass das veröffentlichte Geheimnis vollständig ist, zum gegenteiligen Schluss? (Antonio Socci) Immer mehr weist darauf hin, dass die ganze Wahrheit noch ans Licht kommen muss.

 

Mit herzlichen Segensgrüßen

P. Andreas Jeindl