Publikationen / Wochenbrief


Osterbrief 2017

Nr. 8/ 16. April bis 29. April 2017


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Liebe Gläubige,

das Leiden Christi war und ist ein Sühneleiden. Der Prophet Isaias sagt dies schon 700 Jahre vor dem Auftreten des Gottmenschen voraus: „Er hat unsere Leiden getragen, unsere Schmerzen auf sich geladen. (…) Doch ob unserer Sünden ward er verwundet, ob unserer Frevel zerschlagen. Zu unserem Heile lag Strafe auf ihm. Durch seine Striemen wurde uns Heilung. (…) Der Herr aber legte auf ihn die Sündenschuld von uns allen. Er wurde misshandelt, doch gab er sich willig darein. Er tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtung geführt wird. (…) Ob meines Volkes Frevel ward er zu Tode getroffen“ (Is 53).

In seinem Kreuz, in seinem für uns vergossenen Blut hat der Herr alle Feinde unseres Heiles überwunden: Den Teufel, die Sünde und die von Gott abgekehrte Welt. Seine Auferstehung ist der Beweis für diesen Sieg. In ihr hat er dazu den letzten Feind des Menschen, nämlich den Tod, besiegt, indem er selbst lebend aus dem Grab hervorging, leidensunfähig und unsterblich, während Lazarus, der Jüngling von Naim und die Tochter des Jairus nach ihrer Auferweckung durch Jesus später wieder sterben mussten. Darum sagt der hl. Paulus: „Wissen wir doch, dass Christus, von den Toten auferstanden, nicht mehr stirbt. Der Tod hat keine Macht mehr über ihn“ (Röm 6,9). Und ein anderes Mal: „Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Wo ist dein Sieg, o Tod? Wo ist dein Stachel, o Tod?“ (1 Kor 15,54-55).

Die Auferstehung Christi ist darum das Unterpfand unserer Auferstehung der Seele nach durch die hl. Taufe, dem Leibe nach am Ende der Zeiten beim großen Weltengericht. Sehr schön drückt sich der hl. Bonaventura (+1274) darüber aus: „Die Auferstehung Jesu würde nicht vollständig sein, wenn wir, seine Glieder, uns nicht aus der Sünde erhöben, wenn wir uns nicht loslösten vom Irdischen und Sinnlichen, um mit ihm ein neues, himmlisches Leben zu beginnen. Christus, unser Haupt und Vorbild unserer Auferstehung, ist auferstanden, um uns, seinen Gliedern, die Gewissheit unserer Auferstehung zu geben. Es wäre gegen die Natur, wenn das Haupt auferstünde ohne die Glieder!“

Als Getaufte, als Katholiken sind wir also Auferstandene, aus der sündhaften Welt Herausgerufene, in der Gnade des Erlösers Umgewandelte. Zitieren wir noch einmal den Völkerapostel: „Wenn ihr mit Christus auferweckt seid, so sucht, was droben ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was irdisch ist“ (Kol 3,1-2). Als Christen sind wir österliche Menschen, voller Glauben an die Gottheit Christi und an sein Erlösungswerk, voller Hoffnung auf unser Heil und voller Liebe zum dreifaltigen Gott, dem göttlichen Heiland und seiner Kirche.

Tod und Auferstehung Christi offenbaren sich aber nicht nur im Leben des einzelnen Getauften, sondern gerade auch im Leben der Kirche durch alle Jahrhunderte hindurch. Immer wieder beschreitet sie schmerzliche Zeiten der Krise, des Abfalls von ihr, des Zerfalls der Sitten und der christlichen Heilseinrichtung. Vielleicht ist ihre heutige Passion die schlimmste in ihren 2000 Jahren. Immer wieder aber erlebt sie auch daraufhin Erneuerung, Auferstehung und einen blühenden Frühling der Heiligkeit. Wir wissen um die Cluniazensische Reform des Mittelalters, um den siegreichen Kampf Papst Gregors VII. gegen die Laieninvestitur, des großen Konzils von Trient mit seinem gewaltigen Reformwerk mit all den Heiligen des 16. Jahrhunderts als Antwort Gottes auf den Abfall Luthers und des Mitreißens halb Europas ins Verderben. Auch heute gibt es, abgesehen von der Priesterbruderschaft St. Pius X., Zeugen der Lebenskraft der Kirche und zarte Morgenstrahlen ihrer zukünftigen Erneuerung. Kardinal Sarah, Präfekt der Gottesdienstkongregation in Rom, hat anlässlich der Liturgischen Tagung in Herzogenrath bei Aachen Ende März dieses Jahres einen beachtenswerten Vortrag vorlesen lassen – er konnte zu der Veranstaltung leider nicht selber anreisen. Wenn wir auch nicht jedem Punkt seiner Ausführungen zustimmen können, so seien doch einige Hauptaussagen angeführt:

„Wir können unsere Augen vor dem Desaster, der Verwüstung und dem Schisma nicht verschließen, die die modernen Förderer einer lebendigen Liturgie verursacht haben, indem sie die Liturgie der Kirche nach ihren Vorstellungen umgestalteten.Sie vergaßen, dass die liturgische Handlung nicht nur ein GEBET, sondern auch und vor allem ein MYSTERIUM ist, bei dem sich für uns etwas vollzieht, das wir zwar nicht gänzlich verstehen können, doch das wir im Glauben, in der Liebe, im Gehorsam und in einem anbetenden Schweigen annehmen und empfangen müssen. (…)Die schwere Glaubenskrise – nicht nur bei den Gläubigen, sondern auch und vor allem bei zahlreichen Priestern und Bischöfen – hat uns unfähig gemacht, die eucharistische Liturgie als ein Opfer zu begreifen, als die ein für alle Mal durch Jesus Christus vollbrachte identische Handlung, die das Kreuzesopfer auf unblutige Weise überall in der Kirche durch alle Zeiten, an allen Orten, Völkern und Nationen gegenwärtig setzt. Oft neigt man dazu, die heilige Messe frevelhafterweise auf ein einfaches Gastmahl zu reduzieren, auf die Feier eines profanen Festes und auf eine Selbstzelebration der Gemeinschaft, oder – noch schlimmer – auf eine riesige Ablenkung von der Angst vor einem Leben, das keinen Sinn mehr hat oder gegen die Furcht, Gott von Angesicht zu Angesicht zu begegnen, weil sein Blick entlarvt und uns dazu zwingt, die Hässlichkeit unseres Inneren in aller Wahrheit und unabgelenkt zu schauen.

Doch die heilige Messe ist kein amüsanter Zeitvertreib. Sie ist das lebendige Opfer Christi, der am Kreuz gestorben ist, um uns von der Sünde und vom Tod zu befreien und um die Liebe und die Herrlichkeit Gottes, des Vaters, zu offenbaren. (…)

Wie es Benedikt XVI. schon oft betont hat, findet sich an der Wurzel der Liturgie die Anbetung, und somit Gott. Infolgedessen ist festzustellen, dass die schwerwiegende und tiefgreifende Krise, die seit dem Konzil die Liturgie und die Kirche selbst erschüttert und weiterhin erschüttern wird, darauf zurückzuführen ist, dass ihr ZENTRUM nicht mehr Gott und seine Anbetung, sondern die Menschen und ihre angebliche Fähigkeit sind, etwas zu „tun“, um sich während der Eucharistiefeier mit etwas zu beschäftigen. Auch heute noch unterschätzt eine Vielzahl von Geistlichen die schwerwiegende Krise, die die Kirche durchmacht: der Relativismus bei der Vermittlung der Glaubens- und Morallehre, schwere Missbräuche, die Entsakralisierung und Banalisierung der Heiligen Liturgie sowie die rein soziale und horizontale Sicht der Mission der Kirche.

Viele Menschen glauben und bejahen aus voller Kehle, dass das Zweite Vatikanische Konzil einen wahren Frühling in der Kirche ausgelöst habe. Eine wachsende Anzahl an Geistlichen betrachtet diesen „Frühling“ freilich als eine Ablehnung ihres jahrhundertealten Erbes oder sogar als eine radikale Infragestellung ihrer Vergangenheit und ihrer Tradition.

Man wirft dem politischen Europa vor, seine christlichen Wurzeln aufzugeben oder zu verleugnen. Doch wer zuerst seine christlichen Wurzeln und seine christliche Vergangenheit aufgegeben hat – das ist mit Sicherheit die nachkonziliare katholische Kirche. (…)

Viele Menschen weigern sich, dem Werk der Selbstzerstörung der Kirche durch sie selbst durch den geplanten Abriss ihrer dogmatischen, liturgischen, moralischen und pastoralen Fundamente ins Angesicht zu schauen. (…)

Tatsächlich war das, was die Päpste und die Konzilsväter erwarteten, wie Kardinal Ratzinger sagte, „eine neue katholische Einheit; stattdessen ist man auf eine Uneinigkeit zugesteuert, die – um die Worte von Paul VI. zu gebrauchen – von der Selbstkritik zur Selbstzerstörung überzugehen schien.“

„Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung“, sagt die Volksweisheit im Sprichwort bezüglich des sittlichen Zustandes des Menschen. Dies gilt auch für die Kirche. Ihre Würdenträger, vom Papst angefangen über die Kardinäle und Bischöfe bis hin zum letzten Kaplan sind aufgerufen, die Augen vor der Wirklichkeit der großen Katastrophe nicht zu verschließen und die richtigen Heilmittel anzuwenden. Dies sind nicht die viri probati, noch das Diakonat der Frauen, noch die Kommunion für geschiedene „Wiederverheiratete“ und ähnliche Irrwege, sondern Gebet, Buße, Bekehrung, wie die Muttergottes dies in Fatima eingefordert hat, mit einem Wort: Auferstehung aus Sünde und Schuld.

Wir müssen aber auch unserem Nächsten in der Familie, am Arbeitsplatz, im Freundeskreis und im gesellschaftlichen Leben zu dieser Auferstehung verhelfen, indem wir ihm in Güte den Weg zum Beichtstuhl weisen, ihm ein gutes Buch, eine DVD, einen Flyer über unseren Seminarfilm oder den Athanasiusboten in die Hand drücken oder auch ihm einen Gutschein für einen Exerzitienkurs schenken. Es geht darum, Seele für Seele, Familie für Familie, Dorf für Dorf für den auferstandenen, erhöhten und verherrlichten Christus zu gewinnen. Lesen Sie selbst das demnächst erscheinende monumentale Werk von Prälat Georg May „300 Jahre gläubige und ungläubige Theologie“. Sie werden es nicht in einem Tag bewältigen, wohl auch nicht in einem Monat, aber Sie können immer wieder ein Kapitel herausgreifen und so über 300 Jahre Geistesgeschichte und Geisteskämpfe sich eine umfassende Kenntnis verschaffen, insbesondere insofern diese die Kirche selbst betreffen.

Beten Sie in dieser österlichen Zeit mit großer Freude und Hingabe die glorreichen Geheimnisse des Rosenkranzes, damit wahr werde, was die Kirche am Rosenkranzfest selbst im Tagesgebet erfleht: „O Gott, Dein Eingeborener Sohn hat durch sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung den Lohn des ewigen Heiles erworben; wir bitten Dich nun: Durch die Verehrung dieser Geheimnisse im hochheiligen Rosenkranz der seligen Jungfrau Maria lass uns nachahmen, was sie enthalten, und erlangen, was sie verheißen, durch Christus unsern Herrn.“

Frohe und gnadenreiche Ostern, Ihr

P. Franz Schmidberger

Regens