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Wochenbrief Nr. 19 / 2017 vom 10. Dezember 2017

Liebe Gläubige,


Der Rosenkranz in deutschen Landen

Adolf von Essen (ca. 1350- 1439) stammte aus dem Herrschaftsgebiet des hochadligen Damenstifts Essen an der Ruhr und wurde Kartäuser. Von vielen Notsituationen getrieben, nahm er Zuflucht zu einem Gebet, das beim einfachen Volk, das nicht lesen und schreiben konnte, zum Lieblingsgebet geworden war: dem Fünfziger.

Als Adolf von Essen, der das Neue Testament sehr gut kannte, sich daran machte, die 50 Ave Maria nacheinander zu beten, kam er zu einer außergewöhnlichen Erfahrung. Er sah, wie beim Beten das Leben unseres Herrn Jesus Christus vor seinem inneren Auge lauschend vorüberzog.

Adolf von Essen lernte diese Art und Weise den Fünfziger zu beten sehr schätzen, nannte dieses betrachtende Gebet: „Rosarium“ und kam zu der Überzeugung: „Durch das Meditieren über das Leben Jesu erhält der Fünfziger für Unsere Liebe Frau eine unvergleichliche Schönheit.“

 

Das Rosengärtlein Unserer Lieben Frau

Für die Lothringische Herzogin Margarete von Bayern verfasste Adolf von Essen eine der ersten Anleitungen dieses Rosenkranzgebetes. Er nannte es: „Rosengärtlein Unserer Lieben Frau“ und beschrieb darin einen Garten als Bild des Herzens. Mit dem Herzen Mariens soll der Beter die Heilige Schrift lesen und unseren Herrn zu verstehen suchen.

 

Die erste Rose: Das Ave Maria

Das Ave Maria selbst wird nach dem Rosengärtlein eine Rose genannt. Zuerst spross diese Rose in Maria, dann bei allen anderen guten Menschen. Sie wächst bei allen, die in Andacht das Ave Maria sprechen. Der Same für diese Rosen ist durch Maria zu uns gekommen und wurde in unsere Herzen eingepflanzt, so dass wir alle Tage in dem Gärtlein unseres Herzens edle Rosen suchen und finden können, um aus ihnen der ehrwürdigen Gottesmutter Maria schöne Kränze zu machen.

 

Die zweite Rose: Maria selbst

Die Gottesmutter selbst wird mit einer Rose verglichen, die so schön ist, dass sie Gott bewegte vom Himmel herabzukommen, um sie für sich zu brechen.

 

Die dritte Rose: Unser Herr Jesus Christus

Auch unser Herr wird mit einer Rose verglichen. Diese Rose ohne Dornen, begann ihre fünf schönen roten Blütenblätter auszubreiten am heiligen Kreuz. Diese Rose zieht alle Tage mit seinem edlen Duft die Sünder zu sich nach den Worten der Heiligen Schrift: „Ich aber werde, wenn ich von der Erde erhöht bin, alle an mich ziehen.“ (Joh 12:32)

 

Im Rosengärtlein ist so viel enthalten…

Wir können in dieser Rose unschwer schon die schmerzhaften Geheimnisse unseres Rosenkranzes angedeutet sehen. Nach weiteren Hinweisen auf den gekreuzigten und auferstandenen Heiland, schließt Adolf von Essen seine Schrift mit folgenden Worten: „Nun will ich das Rosengärtlein schließen, in ihm ist so viel enthalten, wie ich es Euch nicht sagen konnte. Gott selber wird es Euch besser kundtun, als ich es vermag, und dazu auch Liebe und Freude, damit ihr unverdrossen alle Tage innig betet zum Lobe Gottes und Unserer Lieben Frau Maria, der himmlischen Königin.“

 

Die Früchte des Rosengärtleins

Margarete von Bayern überwand mit diesem Gebet ihre Verzweiflung und ihren unchristlichen Hass auf eine Mätresse ihres Ehegatten. Sie wandelte sich zu einer lebenstüchtigen und heiligen Frau und führte sehr viele zum Rosenkranzgebet, die alle dadurch zu einem tugendhaften Leben fanden.

 

Ein Sieg ohne Blutvergießen

Bei einem Einfall einer Übermacht von Feinden in das Herzogtum Lothringen zeigte Margarete die erstaunliche Wirksamkeit ihres Rosenkranzgebetes. Sie bat vertrauensvoll und inständig um Bewahrung, Verteidigung und Rettung der Ihrigen. Doch sie konnte nicht um Vernichtung oder Tod oder auch nur um die Gefangenschaft der Feinde beten. Durch das Rosenkranzgebet war sie so sehr vom Leben Jesu und seiner Lehre durchdrungen, dass sie niemals gewagt hätte, um derartiges zu bitten.

Karl von Lothringen war nicht wenig erstaunt, als er sah, wie die Übermacht der Feinde vor seinen unbedeutenden Truppen plötzlich wie von einer Massenpsychose gepackt die Flucht ergriff. Später bekannten sie, dass es nicht die Truppen waren, vor denen sie flohen, sondern sie hätten die Herzogin von Lothringen mit einem so drohenden Antlitz gesehen, dass sie es nicht ertragen konnten. Auf diese Weise kamen die Dinge wieder in Ordnung, ohne dass ein Tropfen Blut vergossen wurde, oder auch nur jemand gefangen genommen wurde. 

Mit herzlichen Segensgrüßen

P. Andreas Jeindl