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Wochenbrief Nr. 1 vom 7. Januar 2018

Liebe Gläubige,

In den Nöten der Seele: Der Rosenkranz als Rettungsmittel

Der Rosenkranz erweist sich als ein letztes Rettungsmittel, das auch dann nicht versagt, wenn alle anderen Mittel nichts mehr vermögen, besonders in den Nöten der Seele. Doch der Rosenkranz scheint diese Wirkweise erst dann unter Beweis zu stellen, wenn man beim Beten seine Geheimnisse auch wirklich betrachtet. Was aber, wenn jemand beim besten Willen einfach nicht dazu fähig ist, mit seinen Gedanken bei einem der entsprechenden Rosenkranzgeheimnisse zu bleiben?

Wir leben in einer Welt der Ablenkung und Zerstreuung. Die Massen an Informationen, die heute im Alltag an einem Menschen vorbeirauschen, zwingen ihn förmlich zur Oberflächlichkeit. Kein Wunder, dass besonders die Betrachtung der Rosenkranzgeheimnisse, die in die Tiefe der Seele eindringen möchten, große Schwierigkeiten bereitet. Doch auch in früheren Zeiten gab es Menschen guten Willens, mit derselben großen Schwierigkeit.

Dominikus von Preußen und sein lasterhaftes Leben

Als Sohn eines Fischers an der preußischen Ostküste, lernte Dominikus von Preußen bei einem Dominikaner lesen und schreiben, und bald erkannte man seine große Begabung. Dominikus fand sich bald an der Universität in Krakau wieder. Dort hatte er jedoch sehr bald nicht viel mehr als Frauen und Glückspiele im Kopf und sank immer mehr in ein sinnliches, lasterhaftes Leben.

Dieses Leben forderte aber auch sehr bald seinen Tribut. Dominikus wurde sterbenskrank. In diesem Zustand bat er bei vielen Klöstern um Aufnahme, um wenigstens seine letzten Tage noch in Buße verbringen zu können, doch niemand wollte ihn aufnehmen.  Nur bei der Trierer Klause fand er schließlich jemanden, der sich seiner erbarmte.

Die Gnade der Reue

Der Prior schickte ihn zu einem heiligmäßigen Karmeliten zur Beichte. Als dieser die vielen schlimmen Sünden des kaum 25- Jährigen anhörte, kamen ihm die Tränen. Da ging Dominikus in sich und sagte sich: „Schau, ein anderer weint über dich und deine Sünden. Was bist du für einer, ein Hund oder ein Mensch, dass du über deine eigenen Sünden nicht zu weinen vermagst!“  Erst dann bekam Dominikus die Gnade der Zerknirschung und tiefen Reue über seine Sünden. Der Karmelit verlangte von Dominikus alles zu tun, was zum Orden gehört, und darin durchzuhalten.

Doch Dominikus fiel das äußerst schwer.

Unfähig zu beten

Am meisten bereitete ihm Kummer, dass er beten möchte, es aber nicht konnte. Da hörte er von dem Ausspruch Adolfs von Essen: „Einen so schlechten Menschen gibt es nicht, der - betet er ein Jahr lang den Rosenkranz - keine beachtliche Besserung in seinem Leben feststellen wird.“

Dominikus setzte seine letzte Hoffnung in den Rosenkranz und versuchte ihn mit Eifer zu beten. Doch trotz seines Bemühens war es ihm unmöglich, die Geheimnisse zu betrachten. Dominikus war so schwach und flatterhaft, dass er sich beim besten Willen nicht darauf  konzentrieren konnte. Dennoch gab er nicht auf und versuchte es immer wieder.

Die Clausulae des Dominikus

Dominikus zerlegte darauf das Leben Jesu in 50 Sätze für jedes Ave Maria des Rosenkranzes und siehe da - die Betrachtung wollte gelingen. Dominikus wurde sogar sehr bald einer der vorbildlichsten Kartäusermönche und seine Leben-Jesu Sätze, die „Clausulae des Dominkus von Preußen“ machten Schule. Sogar Adolf von Essen griff auf solche Clausulae zurück, als ihm einmal besondere Lebensumstände die Betrachtung schwierig machten. Die Clausulae des Dominikus wurden bald auf 150 erweitert, um den ganzen Psalter beten zu können. Später wurden die 150 Clausulae auf 15 reduziert und von hier stammen die uns bekannten Rosenkranzgeheimnisse. Schon im Jahr 1483 finden wir fast alle in einem Rosenkranzbuch aufgeführt.  Die 150 Clausulae wurden wahrscheinlich deshalb auf 15 reduziert, damit sie von allen ohne Schwierigkeit gelernt und im Gedächtnis behalten werden können. Dennoch zeigt die Geschichte, dass es eine jahrhundertealte bewährte Tradition ist, sich mit  Leben-Jesu Sätzen für jedes Ave Maria zu helfen, wenn wir bei der Betrachtung der Geheimnisse Schwierigkeiten haben sollten.

 

Mit herzlichen Segensgrüßen

P. Andreas Jeindl